Rundgang durch Weinhaus

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Das Dorf Weinhaus, lange Zeit ein kleiner Weinbauernort in der näheren Umgebung Wiens, war bis ins 19. Jahrhundert als Ausflugsziel für die Wiener·innen, aber auch als Zweitwohnsitz für einige Wohlhabende sehr beliebt. Das seelsorgliche Zentrum war bis 1889 die Kapelle des Czartoryski-Schlössels (auf dem Boden der heutigen Hans-Radl-Schule in der Währinger Straße), und zwar die längste Zeit als Kaplanei der Mutterpfarre Währing. Erst 1883, parallel mit dem langsamen Zusammenwachsen der kleinen Orte rund um Wien und schließlich ihrer Eingemeindung nach Wien, erfolgte die Grundsteinlegung und 1898 die Fertigstellung der heutigen Krche St. Josef. Die Jahreszahl 1883 war nicht zufällig gewählt: Die Kirche sollte vielmehr ein Denkmal zur Erinnerung an die gewonnene Entscheidungsschlacht gegen die Türken im Jahre 1683 sein, die im Bereich Türkenschanze und Hohenwart (Höhenzug, an dem die Weinhauser Kirche liegt und auf den sich der Rosenkranzweg hinauf zieht) besonders heftig war.

Beginnen wir unseren Rundgang gleich auf der Türkenschanze, oberhalb der Weinhauser Kirche, die untertags zugänglich ist. In der Edmund-Weiß-Gasse und der anschließenden Severin-Schreiber-Gasse  blicken wir auf die gegenüber liegenden Gebäude der Universitäts-Sternwarte und kommen an unserem unmittelbaren nördlichen Nachbargrundstück vorbei, das der Sitz der Evangelischen Kirchenleitung für Österreich ist – ein harmonisches Nebeneinander christlicher Kirchen. Ein Abstecher in den Türkenschanzpark, eines der ehemaligen Hauptquartiere der Türken 1683 und heute ein großflächiger, naturnaher Erholungspark, der ebenfalls zum Weinhauser Gemeindegebietgehört und dieses – ungefähr ab der Universität für Bodenkultur – in Richtung Döbling abgrenzt, lohnt sich.

Jetzt aber wenden wir uns vom Höhenzug ab und steigen hinunter ins Tal des Währinger Baches. Über die Bäckenbrünnl-Stiege kommen wir neben den Gleisen der Vorortelinie zum Gersthofer Platzl, dem sehr belebten Verkehrs- und Einkaufsmittelpunkt zwischen Weinhaus und Gersthof, der im Jahr 1986 modern umgestaltet wurde, dafür aber auch vieles von seiner alten Romantik eingebüßt hat. Die Schnellbahnstation, die von unserer Nachbarpfarre Gersthof einige Male für spektakuläre Pfarrausflüge mit Sonderzügen genutzt wurde – dies war sogar schon einige Jahre vor der Wiedereröffnung der Vorortelinie der Fall! – ist beiden Orten gemeinsam. Von den Bahnsteigen aus hat man wie von einem Balkon einen schönen Blick über das Platzl auf die Weinhauser Kirche und auf die umgebenden Berge im Nordwesten. Hier, beim Platzl, queren wir die beiden Hauptstraßen von Weinhaus, die Währinger Straße und die Gentzgasse, welche das Weinhauser Gemeindegebiet deutlich gliedern.

Wir folgen jetzt der Simonygasse und ersteigen den nächsten Hügel, der den Ausläufer des Schafbergs bildet und über dessen Rücken die Kreuzgasse verläuft. Unter uns liegt jetzt das schon erwähnte weite Gelände der Hans-Radl-Schule. Hier, im Kreuzgassenviertel, von dem aus sich immer wieder Blicke auf die gegenüber liegende Türkenschanze und die Weinhauser Kirche öffnen, finden wir eine andere Atmosphäre vor als auf unserem bisherigen Weg. Die Gegend ist gekennzeichnet von vielen Gemeindebauten und schlichten Miethäusern, von denen bereits einige im Zuge der einsetzenden Wiederbesinnung auf die Anmut dieses Ortsteiles in neuem Glanz erstrahlen. Freilich, auch neuere Bauten an der Grenze zu Hernals, z.B. die Wohntürme in der Händelgasse und die Gebäude am Postsportplatz, haben das Bild wesentlich verändert. Eine Symbiose zwischen Alt und Neu bildet die überbaute ehemalige Remise der Wiener Linien zwischen Kreuzgasse, Paulinengasse, Staudgasse und Lacknergasse; wir erinnern uns noch gerne an die Weinhauser Fronleichnamsprozession im Juni 1995 als eine der letzten Nutzungen vor dem Baubeginn, kurz nach der Absiedlung der Straßenbahngarnituren in die Remise am Währinger Gürtel.

Damit haben wir das Gebiet erreicht, das uns von unserer Nachbargemeinde St. Severin trennt, oder besser gesagt mit ihr verbindet. Die beiden ehemaligen Pfarren, deren Grenzen im Jahr 1939 aus politischen Gründen – d.h. um die Ordensseelsorge in der Zeit der NS-Herrschaft weiter zu legitimieren – ziemlich abrupt und nicht nach geografischen Gesichtspunkten gezogen worden waren, haben seit 1999 im Lazaristenorden ein Bindeglied gefunden und neue Formen der Zusammenarbeit erprobt, zB die gemeinsame Fronleichnamsfeier, bis sie ab 1.1.2022 zusammen mit Pötzleinsdorf und St. Gertrud die neue Pfarre Währing bilden.

Wir schwenken jetzt von der Kreuzgasse ab, um wieder weiter ins Innere des Weinhauser Gemeindegebietes zu gelangen. Der Weg führt uns zunächst durch die Lacknergasse, die weit von Hernals herauf kommt und in der die ältesten Häuser unseres Ortes stehen – stimmungsvolle alte Weinhauerhäuser, in der letzten Zeit liebevoll auf Glanz gebracht. In der Lacknergasse finden wir die Vienna Elementary School, mit der unsere Pfarre durch Schulgottesdienste verbunden ist. Und unten, kurz vor der Währinger Straße, wird zur Zeit das 2025 aufgelassene Herz-Marien-Kloster als Teil der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Wien/Niederösterreich ausgebaut. Wenn wir Richtung Ebner-Eschenbach-Park gehen, kommen wir am Polizeiwachzimmer Währing, am Bundesgymnasium Klostergasse und an der Polytechnischen Schule Währing vorbei. Der Weg führt uns weiter in Richtung inneres Währing, wobei wir durch einige dicht bebaute Straßen (z.B. Schopenhauerstraße, Schulgasse, Plenergasse) mit größtenteils sehr gepflegten Häusern gelangen. Der Schubert-Park, auf dessen Areal sich früher der berühmte Währinger Ortsfriedhof mit den Gräbern von Beethoven, Schubert u.a. befunden hat, genau gesagt die Teschnergasse, bildet die südöstliche Grenze zwischen Weinhaus und St. Gertrud.

Wenn wir wieder den Bogen in Richtung Währingbachtal nehmen, kommen wir in den (aus Weinhauser Sicht) unteren Teil von Währinger Straße und Gentzgasse, an der Ortsgrenze verbunden durch die schmale Argauergasse. Wir sehen von hier einen der zentralen Plätze von Weinhaus, nämlich den Aumannplatz. Er strahlt durch seine großzügige, rechteckige Anlage mit den umstehenden schönen Bürgerhäusern, dem kleinen Park in der Mitte und den gepflegten Blumenanlagen trotz der starken Verkehrsströme viel Atmosphäre aus. Von ihm ausgehend, erstreckt sich bis auf die Höhe der Weinhauser Kirche der “bürgerliche” Teil von Weinhaus. Hier konzentriert sich auch ein Großteil des lokalen Geschäftslebens. Blickfang am Aumannplatz ist das Carolusheim, ein liebevolles Zuhause für ca. 200 alte Menschen, geführt von den Barmherzigen Schwestern vom Hl. Karl Borromäus gemeinsam mit der Caritas Socialis. Nicht nur die vielen Menschen, die als „Pfarrkinder“ im Altersheim wohnen, auch die sonstige gute Zusammenarbeit der Pfarre Währing mit den Schwestern – die im selben Gebäude auch ihr Mutterhaus haben und deren christliche Tätigkeit sich bis nach Mexiko hin erstreckt – macht das Haus zu einem wichtigen Weinhauser Punkt. Im Gebäude befindet sich die Kirche zur Heiligen Familie, ein sehr ansprechender Neubau aus dem Jahr 1989. Seit Jänner 2025 wird im Haus das „Tageshospiz Aumannplatz“ betrieben.

Allmählich werden wir müde vom langen Gehen auf den Straßen – Weingärten und Wald sind in Weinhaus ja nicht mehr vorhanden – und vom Schauen auf große und kleine Sehenswürdigkeiten. So machen wir uns auf, um zur vierten und entlegensten Ecke des Weinhauser Gemeindegebietes zu kommen, die von Cottagegasse und Hasenauerstraße begrenzt wird. Dazu müssen wir wieder vom Tal ein Stück aufsteigen, und zwar auf den unteren Teil des Hohenwart. Auch hier begegnen wir zwei Schulen; der Volksschule in der Cottagegasse und dem Gymnasium in der Haizingergasse. Nun führt uns der Weg durch das schöne Villengebiet des Währinger Cottage, das im 19. Jahrhundert von dem noch heute aktiven Cottage-Bauverein auf dem Boden ehemaliger Weinhänge für den Bau aufgeschlossen wurde. Mächtige private Landhäuser, einige Geschäftsvillen, mehrere ausländische Vertretungen und hie und da ein eingepasster Neubau, alles von großzügigen Grünanlagen umgeben, prägen die Landschaft hier. Die Freude der Besucherin bzw. des Besuchers an der ästhetischen Gestaltung des Cottageviertels wird sich mit einer gewissen Nachdenklichkeit darüber paaren, wie die Gegend wohl im Naturzustand ausgesehen haben mag.

Wir kehren zum Türkenschanzpark mit seinen umgebenden Straßenzügen (Gregor-Mendel-Straße, Peter-Jordan-Straße, Max-Emmanuel-Straße) zurück, auf den wir schon zu Beginn ein Auge geworfen haben. Wir haben jetzt die Wahl zwischen dem kürzeren Weg durch die Gassen des Cottage und einem geringfügigen Umweg durch den Park, um dann zwischen dem ehemaligen „Cottage-Sanatorium“, gegründet von Dr. Urbantschitsch (unschwer als Spitalsgebäude zu erkennen, heute Wohnhaus der Russischen Botschaft) und dem hinteren Teil des Sternwarte-Parks zum oberen Eingang des Weinhauser Pfarrgrundstückes zu gelangen.

Schauen wir uns von diesem Punkt aus um: Wir können bei guter Wetterlage weite Blicke genießen – auch das Riesenrad ist von hier aus in der Verlängerung der Edmund-Weiß-Gasse sichtbar! – und vor allem an Hand einiger Anhaltspunkte unsere Wanderung entlang der Grenzen von Weinhaus nachvollziehen.

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Heinz Kasparovsky (überarbeitet 2026)
Für wertvolle Hinweise danken wir auch Frau Doris Weis,
bis 2025 Leiterindes Bezirksmuseums Währing
Foto: Hellmuth Matzka